Lanificio Cerruti.
Wollherkunft Biella. Eine Familie, fünf Generationen, die gleichen Webstühle aus den 1960ern, dieselben Hände — die seit 145 Jahren denselben Stoff machen, der italienische Couture-Häuser kleidet.
Antonio Cerruti gründete den Betrieb 1881 in Biella, einer kleinen Stadt am Fuß der italienischen Alpen — dort wo das Wasser weich genug ist, Wolle zu waschen, ohne sie zu härten. Die Familie hat seither nie verkauft, nie verlagert, nie expandiert. Heute führt Lia Cerruti den Betrieb in fünfter Generation. Ihre Vorfahren weben in denselben Hallen wie ihr Urgroßvater. Das ist keine Romantik — das ist Sturheit, gemischt mit der Einsicht, dass guter Stoff Zeit braucht, die niemand abkürzen kann.
Wir sind 2021 zum ersten Mal hingefahren. Anna und ich, drei Tage Biella, Hotel Augustus, Werkstatt-Termine täglich um 9 Uhr morgens. Was uns beeindruckte: Die Webstühle aus den 1960er-Jahren stehen noch — repariert, gewartet, geliebt. Moderne computergesteuerte Maschinen wären schneller, ja. Aber sie weben anders. Etwas an der Spannung, am Schussfaden-Rhythmus, am Geräusch des Stuhls — das ist nicht digital reproduzierbar. Stoffe von Cerruti haben eine Schwere, die nichts mit Gewicht zu tun hat. Sie hängen anders auf der Schulter. Sie altern besser.
Die italienischen Couture-Häuser — Brioni, Kiton, manchmal Brunello — beziehen ihre Wolle aus diesem Betrieb. Sie sehen den Cerruti-Stoff in 4.000-Euro-Anzügen verarbeitet, die nach Mailand, Tokio, New York gehen. Aber Lia Cerruti hat einen weichen Punkt: Sie verkauft Übergrößen-Coupons an kleine Boutiquen wie uns, zu Konditionen, die wir uns leisten können. Das ist Geschäft, aber auch Familienbetrieb-Solidarität: Ihr macht weiter, was wir auch machen — kleine Mengen, persönlich, ohne Logo.
Wir kaufen pro Saison ungefähr 30 Meter Cerruti-Wolle. Davon werden in Portugal — bei einer Schneider-Werkstatt, die wir auch persönlich kennen — unsere Mäntel und Hosen geschneidert. Der Mantel No.14, unser Saison-Klassiker, ist aus diesem Stoff. Wenn Sie ihn in den Händen halten, halten Sie 145 Jahre Familienarbeit in den Händen. Das ist nicht zu viel gesagt. Das ist genau richtig.